Patientenforum

Forum: Endodontologie

Der Erhalt der Ihrer Zähne ist unsere oberste Aufgabe. Wird ein Zahn krank, helfen moderne Therapien ihn zu heilen. Wir unterstützen Sie gerne.

Thema:
Zahn ziehen oder erneute Revision?
Anzahl der Beiträge: 2

EineAntwortgeben Eine Fragestellen AlleForenanzeigen


erstellt: 14.11.2025 - 20:20

Linda aus Stuttgart

Guten Abend.

Zahn 36 ist seit 2011 wurzelbehandelt aber ohne moderne Wurzelkanalbehandlung-Methoden. Vor einem Jahr wurde eine Revision gemacht mit modernen Methoden also elektrische Längenmessung, Lupenbrille, Bioroot etc. (Aber ohne Mikroskop). Anschließend jedoch ein Jahr lang kein Provisorium drauf, aufgebauter Stumpf komplett ungeschützt. 
 
Knochenabbau bei 36 seit 2022 bekannt (Krone war rausgefallen, daher Röntgenbild). 

Aktuelles DVT vorhanden, radiologischer Befund sagt: "Unregelmäßige Osteolyse ausgehend von der mesialen Wurzel des endodontisch behandelten Zahnes 36 mit Beteiligung der distalen Wurzel, V.a. Parodontitis apikalis"

Ein Endodontologe will nun eine erneute Revision machen mit Mikroskop. Bringt das noch was? 

Habe gelegentlich Schmerzen, aber nicht sicher ob es vom Zahnfleisch kommt oder Zahnstumpf.

Kann gerne ein Röntgenbild posten. 

 

Zusatzinfo: Vier weitere seit 10 Jahren Wurzelbehandelte Zähne haben alle apikale Aufhellungen, obwohl jeder eine Revision letztes Jahr bekommen hat.. ich bin erst 35 Jahre alt.

Ich bin wirklich ratlos. Kann das für den Körper belastend sein und was soll ich tun? 

Ich freue mich auf ihre Meinungen. 
vielen Dank. 

 


Guten Tag,

als wirklich begeisterter Endodontologe und Chirurg stellt sich diese Frage häufig. Ich habe für mich einige Grundsätze entwickelt, die Entscheidungen erleichtern. Dabei helfen die in der Literatur verfügbaren Studienergebnisse. 
- Entzündungen an der Wurzelspitze sind grundsätzlich Infektionsgeschehen, die das Immunsystem belasten und über Bakterienaussaat Probleme an anderen Körperbereichen verursachen können. Sie müssen deshalb aus medizinischer Sicht beseitigt werden.

- Ich behandele nur enodontisch, wenn die Chancen auf Ausheilung sehr gut sind UND der Patient bereit ist, einen Misserfolg zu akzeptieren. (Misserfolgsraten in der Literatur 10-20 % bei apicalen Aufhellungen und Erstbehandlungen und 30-50% bei Revisionsbehandlungen) Schließlich kosten solche Behandlungen auch Geld.

- Revisionen von Revisionen sind wegen der schlechten Prognose bestenfalls als Glücksspiel anzusehen.

- Hat ein Patient Angst vor gesundheitlichen Auswirkungen von apicalen Entzündungen, rate ich zur Zahnentfernung, da kein Zahnarzt einen Behandlungserfolg garantieren kann. Hier würde ich nicht zu einer Revisionbehandlung raten. 
- größere apicale Aufhellungen beseitige ich direkt nach der Wurzelkanalbehandlung durch eine Wurzespitzenresektion, weil die Chance auf natürliche Ausheilung in der Literatur bei weniger als 50% liegt

- die schlechtesten Prognosen zeigen die großen Backenzähne wegen ihrer schlechten Zugänglichkeit und ihrem äußerst komplexen Kanalsystem.

Da wir heute sehr zuverlässige Alternativen ( Brücken, Implantate)  kennen, ist nicht jeder Zahnerhalt notwendig und sinnvoll.

Grüße

R. Roos



Login nur für Mitglieder