Patientenforum

Forum: Zahnersatz

Durch Zahnerkrankungen oder Unfällen können Zähne verloren gehen. Wir geben Hinweise und Entscheidungshilfen zur richtigen Wahl der Zahnversorgung.

Thema:
wie tauscht man einen älteren Stiftzahn aus?
Anzahl der Beiträge: 7

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erstellt: 17.03.2010 - 15:37

Linda aus Schleswig-Holstein

Hallo an die Lesenden!

Vor gut 20 Jahren, als ich in der 7. Klasse war, bekam ich versehentlich einen Ellenbogen eines Schulkameraden ins Gesicht. Mein vorderer Schneidezahn gab daraufhin nach und so bekam ich nach gut einer Woche (Vor-)Behandlung beim Zahnarzt damals einen Stiftzahn eingesetzt. Eigentlich war der Zahn von Anfang an farblich nicht passend und da ich ja noch im Wachstum war, ist der Nachbarzahn länger als der Stiftzahn geworden. Nun habe ich dazu zwei Fragen:

Wie tauscht man einen Stiftzahn aus? Ich bin leider -durch etliche unangenehme Zahnarztbehandlungen- ein großer Angsthase, was Zahnbehandlungen im Allgemeinen angeht. Eigentlich möchte ich schon seit Jahren den hässlichen Stiftzahn tauschen lassen, bin aber zu ängstlich; ich möchte daher gerne wissen, was beim Wechseln vonstatten geht. Ich habe vom damaligen Einsetzen wenig mit bekommen, da ich unter Tränen, zitternd auf dem Stuhl saß und nur darauf wartete, dass es vorbei war. Gehe ich Recht in der Annahme, dass der Stift im Kiefer bleiben kann und der "falsche" Zahn darauf abgemacht wird (wenn ja wie? schmerzhaft?)und der dann vorher ausgesuchte und angefertigte neue "falsche" Zahn auf den Stift gesetzt wird (wie läuft das ab?)?

Eine weitere Frage tauchte in dem Zusammenhang auf: der damalige Zahnarzt und die Schule haben auf meine Nachfrage hin gesagt, dass sie keine Unterlagen mehr über den "Unfall" haben. Auf Nachfrage bei meiner damaligen Krankenkasse bzw. der BG hieß es, dass auch dort keine Unterlagen vorlägen... Ich war ja erst 13 damals und habe mich um die "rechtlichen" Dinge nicht gekümmert, aber da es ein Schulunfall war, müsste es doch über die BG gelaufen sein und ich hätte heute doch immer noch Anspruch auf Kostenübernahme, oder nicht? Kann ich da noch "was retten"?

Mit bestem Dank und freundlichen Grüßen, Linda.

Sehr geehrte Linda,
normalerweise werden Schulunfälle bei der zuständigen Gemeindeunfallversicherung gemeldet (dies ist nicht die BG!); also: nachfragen. Falls dort nicht gemeldet wurde, ist der Zug abgefahren.
Zur Behandlung: gehen Sie zu einem Endodontie-Spezialisten, der die vorhandene Wurzelfüllung revidiert (nicht-operativ!) und einen uU vorhandenen Stift entfernen kann. Danach wird ein Langzeitprovisorium angefertigt. Nach der definitiven Abdrucknahme wird im Labor die neue Krone angefertigt. Sie müssen auf jeden Fall IM Labor eine Anprobe machen, sonst stimmt die Farbe/Form nie.
Mit bestem Gruß aus Neu-Isenburg
Dr. Frank Püllen, MMSc

erstellt: 18.03.2010 - 12:21

Linda aus Schleswig-Holstein

Hallo Herr Dr. Püllen!

Erst einmal vielen Dank für Ihre Antwort!

Gut, dass ich jetzt weiß, dass es nicht die BG war :), da werde ich gleich mal an der richtigen Stelle anrufen!

Sein Sie so nett und beschreiben mir -dem Angstpatienten schlechthin- mit wie viel Blut, Schmerz und Behandlungszeit (ich meine das eigentliche Arbeiten in meinem Mund) ich bei Ihrer Beschreibung der Vorgehensweise rechnen muss...Ich hatte tatsächlich insgeheim gehofft, dass man die Krone "nur" abnimmt, neue Abdrücke macht und dann die neue Krone "nur" wieder drauf macht. Muss der Stift zwangsläufig neu bzw. die Wurzelfüllung? Wird sowas vorher geklärt (Röntgen?) oder muss/sollte die Füllung/der Stift sowieso nach so langer Zeit neu? Ach Herrje, ich bekomme jetzt schon kalte Hände :)

Danke für eine erneute Antwort!! LG, Lind

Liebe Linda,
erst einmal ruhig Blut. Sie sollten sich vor Augen halten, welchen ästhetischen Gewinn eine neue Krone für ihr Lächeln bedeuten kann. Wenn sie sich dazu entschließen, kann es durchaus sein, dass nicht alles "im Zahn" erneuert werden muss. Ob die Wurzelbehandlung erneuert werden muss und/oder der Stift, hängt vom Zustand ab. Ohne Röntgenbild läßt sich das nur schlecht beurteilen. Bedenken Sie, dass der Zahn ja bereits "tot" ist. Eine neue Krone gehört sicherlich nicht zu den besonders blutigen Tätigkeiten eines Zahnarztes. Sie sollten sich ausführlich mit einem Kollegen über die notwendigen Schritte und auch Ihre Angst davor unterhalte. Dann können sie bald mit der Sonne um die Wette strahlen.
Viel Erfolg und viele Grüße aus Hamburg.
Dr. Silke Bonowski M.Sc.


erstellt: 08.07.2010 - 14:35

nancy aus muenchen

Auch ich habe vor rund 25 Jahren 2 Stifte bei den Zähnen 11 und 12 erhalten, da diese nach einem Sturz abgestorben waren. Beim Rausfall eines der Stiftzähne Ende 2009 wurde eine akute Entzündung entdeck und zunächst versucht, diese zu entfernen mit Wegkratzen. Aber auch das hat nichts geändert und nun wurde festgestellt, dass der Kieferknochen sich schon stark zurückgebildet hat. Die Stifte wurden gezogen und nun heißt es, 3 Monate mit einem Provisorium zu warten, ob und wie sich der Knochen aufbaut. Sind 3 Monate realistisch? Kann man etwas zur Unterstützung tun? Kann nach der Zeit bereits ein Implantat gesetzt werden, und dann nach ca 5 Monaten die Zähne drauf?Vielen Dank, Nancy

Sehr geehrte Nancx,
wenn der Zahnerhalt von der verbliebenen Restzahnsubstanz betrachtet einen Sinn ergibt, so muß
1. die orthograde Revision der Wurzelfüllung erfolgen,
2. im direkten Anschluß eine (gegossene) Stiftverankerung angefertigt und definitiv befestigt werden (KEINE Radix-Anker o.ä.!!!)
3. Langzeitprovisorien einsetzen.
4. jetzt macht abwarten einen Sinn; dabei kommt es auf 4 Wochen nicht an; röntgenologisch sollte sich aber nach 3 Monaten etwas "tun".
Das wirtschaftliche Risiko für Sie liegt in der Revision, den Stiftverankerungen und den Provisorien. Diese müssen Sie gewillt sein zu tragen, anderst wird es nichts werden.
Dr. Frank Püllen, MMSc, Neu-Isenburg


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