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Wer kennt die Kieler PInocchio-Technik (Prof. Terheyden) zum Knochenaufbau für Implantate?
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erstellt: 09.04.2026 - 22:31
알렉스 aus Seoul
Die Kieler Pinocchio-Technik, die maßgeblich von Prof. Dr. Dr. Hendrik Terheyden geprägt wurde, ist ein spezielles chirurgisches Verfahren zum Knochenaufbau im Kiefer. Sie wird angewendet, wenn der vorhandene Kieferknochen zu schmal oder zu niedrig ist, um Zahnimplantate sicher zu verankern.
Hier ist eine Übersicht über das Verfahren, die Funktionsweise und den Hintergrund des Namens:
1. Das medizinische Prinzip
Fachsprachlich handelt es sich bei der Pinocchio-Technik um eine Verschiebeosteotomie oder eine Form der Distraktionsosteogenese.
- Der Knochendeckel: Ein Teil des vorhandenen Knochens (ein sogenannter Knochendeckel oder -block) wird chirurgisch vom restlichen Kieferknochen getrennt (mobilisiert), bleibt aber in der Regel an der Weichgewebsbrücke (Schleimhaut/Periost) hängen, um die Blutversorgung zu erhalten.
- Die Verschiebung: Dieser Knochenblock wird dann wie eine Schublade nach vorne (horizontal) oder nach oben (vertikal) verschoben.
- Der Hohlraum: Durch das Verschieben entsteht ein geschützter Hohlraum zwischen dem mobilisierten Block und dem ursprünglichen Kieferbett.
2. Warum heißt sie "Pinocchio-Technik"?
Der Name ist eine bildhafte Beschreibung des optischen Effekts während der Operation:
- Wenn der Knochenblock nach vorne geschoben wird, ragt er aus dem Kieferprofil heraus – ähnlich wie die wachsende Nase der Holzpuppe Pinocchio.
- Dieser „Vorsprung“ schafft das nötige Volumen, um den Kieferkamm zu verbreitern.
3. Biologische Vorteile
Im Gegensatz zu reinen Transplantaten, bei denen Knochen von einer Stelle an eine andere gesetzt wird, bietet diese Technik spezifische Vorteile:
- Platzhalterfunktion: Der verschobene Knochendeckel dient als natürliche Barriere und stabiler Platzhalter.
- Regeneration: Der entstandene Hohlraum füllt sich mit Blut (Hämatom) und wird durch körpereigene Knochenzellen zu belastbarem Knochen umgebaut.
- Stabilität: Da der eigene Knochenblock verwendet wird, ist das Risiko einer Abstoßung ausgeschlossen und die Einheilung vorhersagbar.
4. Einordnung und Abgrenzung
- Prof. Terheyden: Wird primär mit der Weiterentwicklung und klinischen Anwendung der Technik im Bereich der Implantologie assoziiert.
- Prof. Haßfeld (Dortmund): Wird ebenfalls oft im Zusammenhang mit der "Pinocchio-Technik" genannt, wobei hier der Fokus historisch stark auf der Distraktionsosteogenese (kontinuierliche Dehnung des Knochens) lag.
Zusammenfassend: Die Kieler Pinocchio-Technik ist ein elegantes Verfahren, um durch geschicktes Verschieben des vorhandenen Eigenknochens neuen Raum für Implantate zu schaffen, ohne zwingend große Mengen Knochen von anderen Körperstellen (wie dem Beckenkamm) entnehmen zu müssen.

