Patientenforum

Forum: Zahnersatz

Durch Zahnerkrankungen oder Unfällen können Zähne verloren gehen. Wir geben Hinweise und Entscheidungshilfen zur richtigen Wahl der Zahnversorgung.

Thema:
Unzufriedenheit nach provisorischen Einsetzen von 22 Kronen
Anzahl der Beiträge: 7

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erstellt: 09.11.2025 - 21:56

Philipp Marquardt aus NRW

Guten Tag,

ich habe vor Kurzem eine umfangreiche prothetische Rekonstruktion durchführen lassen. Dabei wurden insgesamt 22 Kronen angefertigt, die vor einer Woche provisorisch eingesetzt wurden.

Seitdem bin ich jedoch sehr unzufrieden mit dem Ergebnis.

Der Biss fühlt sich unharmonisch an, ich habe kein Gefühl einer ausgewogenen Okklusion, und insgesamt wirkt das Kausystem nicht stimmig. Zeitweise habe ich Kiefergelenkbeschwerden, die vorher nicht vorhanden gewesen sind.

Mein behandelnder Zahnarzt, der zuvor eine Funktionsdiagnostik durchgeführt hatte, kann meine Beschwerden allerdings nicht nachvollziehen. Er meint, die Okklusion sei in Ordnung, und größere Anpassungen seien nicht nötig.

Ich bin nun unsicher, wie ich weiter vorgehen soll.

Da die Kronen ästhetisch gut aussehen und keine deutlichen Frühkontakte oder massiven Störstellen erkennbar sind, habe ich die Sorge, dass ein Gutachter ohne eine erneute umfassende Funktionsanalyse keinen objektiven Mangel feststellen würde, obwohl sich der Biss für mich deutlich falsch anfühlt.

 

Wie sollte ich Ihrer Meinung nach jetzt vorgehen?

Sollte ich auf einer verlängerten provisorischen Testphase bestehen, eine Zweitmeinung einholen oder bereits einen Gutachter einschalten?

Ich möchte vermeiden, dass die Kronen vorschnell definitiv zementiert werden, solange die funktionelle Situation nicht wirklich stimmt. 

 

Vielen Dank für Ihre Einschätzung.


Guten Tag,

Wenn sich der Zahnarzt weigert, auf Ihre Anliegen zu reagieren, bleibt nur der Weg über eine Mängelbegutachtung über die Krankenkasse oder beim Privatpatienten über den Gutachterausschuss der Zahnärztekammer oder direkt zum Rechtsanwalt. Alle diese Wege sind immer das Ende der Behandlungsbeziehung, was meist weder Patient noch Zahnarzt wünschen. Daher rate ich dringend zum Gespräch und zu pragmatischen Lösungen.

Freundliche Grüße

R. Roos


erstellt: 11.11.2025 - 08:21

Unbekannt aus ...

Meine Sorge ist, dass ein Gutachter die Mängel gar nicht festatellen wird, da er ja keine erneute Funktionsdiagnostik durchführen, sondern lediglich prüfen wird, ob ausreichende Kontakte vorhanden sind etc. Außerdem vermute ich, dass meinen subjektiven Beschwerden bei einem solchen Verfahren keine Bedeutung beigemessen wird. 

Ich würde jetzt gerne erst Mal eine zweite Meinung einholen und mich beraten lassen. Ich muss hinzufügen, dass der Arzt die Rechnung bereits geschickt hat, obwohl die Kronen erst vor einer Woche provisorisch eingesetzt wurden. Wie gehe ich mit dieser Situation um? Kann ich der Rechnung widersprechen und darauf bestehen, dass die provisorische Phase verlängert wird?


erstellt: 29.11.2025 - 18:44

Philipp Marquardt aus ...

Ich wollte noch einmal nachfragen, wie lange es möglich ist, die Kronen provisorisch zu tragen, bis der Zahnarzt auf die endgültige Befestigung und Abnahme bestehen kann.

Ich habe nämlich auch nach mehreren Wochen immer noch große Probleme mit der Okklusion und würde gerne eine zweite Meinung von einem anderen Zahnarzt einholen. Da ich mir aber bereits einen Termin für die endgültige Befestigung habe geben lassen, weiß ich nicht, ob es rechtlich mölgich ist, diese noch einmal zu vertagen und ob ich ein Recht darauf habe, die zweite Meinung noch einzuholen.

Eine fast komplette Rekonstruktion mit 22 Kronen ist ja ein sehr komlexer Vorgang. Ist es bei einer so umfangreichen Behandlung statthaft, die Kronen vielleicht insgesamt zwei Monate lang provisorisch zu tragen?


Sie können weiter zuwarten, keine Eile.

Sagen sie ihren Termin vorzeitig ab und vereinbaren sie einen nach der geplanten Zweitmeinung.

Es wird zwar so sein, dass auch die zweite Meinung sich nicht gegen die erste stellen wird, denn dann fungiert dieser quasi wie ein Gutachter und muss sich dementsprechend absichern, das kann schnell nach hinten losgehen.

Der beste Weg ist sicher, dass sie nochmals mit dem Erstbehandler über ihre Probleme reden und eine gemeinsame Lösung gefunden wird.

Wir machen regelmäßig Vollversorgungen, auch mit sehr aufwendigen Bisserhöhungen. In der Regel wird der Patient dahin geführt indem ein Langzeitprovisorium zwischen 3 und 6 Monaten getragen wird und da schon die angestrebte Bisshöhe, respektive der angedachte Biss eingearbeitet ist. Es ist zwar viel Aufwand, vor allem an Zeit, aber es führt zum Ziel und kann im Laufe der Zeit auch angepasst werden.

Mit einer Funktionsanalyse, egal wie aufwendig sie auch betrieben wird, kommt man vielleicht in die Nähe eines Ziels, sie ist letztendlich nur ein Mittel um sich darauf hin zu arbeiten. Die Erfahrung des Behandlers ist unerlässlich um komplexe Wiederherstellungsmaßnahmen auch zu bewerkstelligen.

Wir bekommen immer wieder Patienten die innerhalb kürzester Zeit vollversorgt werden sollen mit dem Versprechung, dass es prima wird. Dem ist eben oft nicht so, viele Patienten tun sich schwer damit und es entstehen gerade solche Probleme von denen sie sprechen.

Arbeiten sie zusammen um eine Lösung zu finden, lassen sie die Arbeit erst definitiv einsetzen wenn der Biss sich verbessert und sie das auch spüren, Ob nun die Arbeit erstmal raus muss und nochmals mit einem Langzeitprovisorium gearbeitet wird, muss nochmals besprochen werden, Auch wenn da wesentliche Zusatzkosten zu erwarten sind, so ist das vernünftig investiertes Geld. Sprechen sie darüber, der Gang zum Anwalt oder zum Gutachter ist ebenfalls ein Weg, aber oft wird da das Leid noch größer.

Das ist meine eigene Meinung weil ich meine eigenen Erfahrungen im Laufe meines Arbeitslebens gemacht habe, es gibt sicher andere Einschätzungen zu ihrem Problem, aber es löst sich meist nicht von allein.

Mit freundlichen Grüßen

A.Arenas

 

zuletzt geändert: 30.11.2025 - 09:09


erstellt: 02.12.2025 - 02:25

Philipp Marquardt aus ...

Vielen Dank für Ihre Antwort!

Bei der Behandlung ist von Anfang an so ziemlich alles schief gegangen. Es wurde ein Provisorium angefertigt, aber die Tragezeit betrug nur zwei Wochen und schon in dieser Zeit hat der Zahnarzt angefangen die endgültigen Kronen herzustellen. Als ich nach wenigen Tagen meine Unzufriedenheit mit dem provisorischen Biss kommuniziert habe, hat der Zahnarzt sehr aggressiv und abwertend reagiert. Zwar wurden die Kronen im Seitenzahnbereich neu angefertigt, aber ohne dass dieser Biss vorher provisorisch getestet wurde. Und auch mit diesem Biss war und bin ich sehr unzufrieden. Allerdings war ich so eingeschüchtert von dem Verhalten des Zahnarztes und seiner Drohung, die Behandlung abzubrechen, dass ich meine Unzufriedenheit in den letzten Wochen nicht deutlich genug kommuniziert habe. 

Ich bin jetzt komplett verzweifelt. Ich habe einen Termin für die Befestigung von Kronen, mit denen ich überhaupt nicht klarkomme. Gleichzeitig befürchte ich, dass die Kronen gut genug sind, um vor einem Gutachter zu bestehen, weil dieser ja keine Funktionsdiagnostik durchführt und auf die Feinheiten der Okklusion vermutlich keine Rücksicht nimmt. 

Mein Vertrauen in die Fähigkeiten und den Charakter des Zahnarztes ist so zerrüttet, dass ich nicht glaube, mit ihm noch zu einem guten Ergebnis zu gelangen. Alles was er tun würde, ist die Kronen weiter abzuschleifen. Ich vermute, dass aber schon Dinge wie die Okklusionskurve und der Neigungswinkel der Seitenzähne nicht gut sind.

Grundsätzlich wäre es möglich bei einem anderen Behandler noch mal von vorne anzufangen und angesichts meiner Beschwerden sehe ich aktuell keine Alternative  - trotz der furchtbaren finanziellen Belastung. Wie aber verhalte ich mich gegenüber dem jetzigen Zahnarzt, damit ich zumindest nicht die gesamte Summe bezahlen muss? Ist es realistisch, dass der Zahnarzt sich auf eine gütliche Einigung einlässt und einen Teil der Summe als Bezahlung für seinen Aufwand akzeptiert? 

Ohne das Verhalten des Zahnarztes zu kommentieren: Können Sie mir einen Rat geben, wie ich am besten weiter vorgehe? 


Ich hatte ihnen die möglichen Schritte und Reihenfolge ja schon angedeutet.

Auf keinen Fall die Kronen definitiv zementieren, diesen Termin absagen.

Das Gespräch suchen, auch wenn es zunächst unangenehm erscheint, aber sie sollten Kooperationsbereitschaft zeigen. Bedrohen müssen sie sich gar nicht lassen, nehmen sie einen Zeugen mit, der ins Behandlungszimmer mit rein soll um den Wortwechsel dann bestätigen kann, scheuen sie sich nicht zu verlangen, dass jemand mit rein kommt.

Drücken sie ihre Beschwerden klar aus, wenn er schleifen will, dann werden sie ihn wohl schleifen lassen müssen, es könnte ja tatsächlich an einer ungleichmäßigen Druckbelastung liegen. Trotzdem, egal was er sagt, die Kronen nicht einsetzen lassen, schon gleich gar nicht wenn geschliffen wurde und die beschliffenen Zähne nicht außerhalb des Mundes kontrolliert und poliert, respektive nochmals glanzgebrannt wurden.

Wenn er der Meinung ist dass alles so richtig wäre und sie nicht zufrieden sind, dies kundtun und mit provisorisch eingesetzten Kronen wieder gehen.

Nun kommt der Schritt entweder zur Kasse oder als Privatpatient zur Kammer und ein Mängelgutachten einfordern,die sagen ihnen auch was darauf zu tun ist.

Nichts bezahlen, auch wenn eine Rechnung verschickt wurde. Höflich darauf hinweisen, dass sie unzufrieden sind und nun ein Gutachten beantragt wurde. Eine endgültige Abrechnung kann der Zahnarzt zudem erst stellen, wenn die Kronen definitiv eingesetzt sind, außer sie haben etwas Anderes mit ihm vereinbart, eventuell Ratenzahlung, dann diese einstellen.

Sollte das Gutachten anders ausfallen als sie es sich vorstellen, dann bleibt ihnen noch der Gang zum Anwalt, wenn sie rechtsschutzversichert sind,  übernimmt vielleicht diese Versicherung die Kosten, das sollten sie abklären und notfalls die Kosten vorstrecken, verbunden mit dem Risiko des Rechtsstreites.

Das ist nur ein fiktiver Fahrplan, ich würde auf Einsicht und Gehör hoffen, ehrlich miteinander reden und Lösungen suchen.

Viel Erfolg

 



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