Forum: Parodontologie
Parodontitis ist eine der häufigsten Erkrankungen bei Erwachsenen in Deutschland und kann zu Zahnverlust führen. Fragen Sie uns. Sie erhalten professionelle Antworten.
Thema:
Chronische Zahnschmerzen und Zahnfleischschmerzen
Anzahl der Beiträge: 1
EineAntwortgeben Eine Fragestellen AlleForenanzeigen
erstellt: 27.09.2026 - 20:24
Joy aus Mittelhessen
Hallo liebe Community,
ich hoffe sehr, dass vielleicht jemand von euch eine ähnliche Erfahrung gemacht hat oder noch eine Idee hat, in welche Richtung man bei mir weiter suchen könnte.
Ich habe seit mittlerweile 16 Monaten chronische Schmerzen am Zahnfleisch im Bereich 16, bukkal, und langsam weiß ich wirklich nicht mehr weiter.
Angefangen hat alles im Mai letzten Jahres. Ich hatte damals einen relativ harten Aufsatz auf meiner elektrischen Zahnbürste und habe damit vermutlich deutlich zu kräftig geputzt. Schon nach ungefähr drei Wochen hatte ich dort dauerhaft Beschwerden. Seitdem sind die Schmerzen nicht mehr richtig verschwunden.
Optisch sieht man eigentlich kaum etwas: lediglich eine sehr geringe Rezession. Der betroffene Zahnhals wurde bereits versiegelt. Das Zahnfleisch sieht manchmal ganz leicht bräunlich beziehungsweise minimal lila im Sulkus aus, ansonsten ist eigentlich kaum etwas Auffälliges zu sehen. Die Taschentiefe wurde ebenfalls mehrfach gemessen und lag ungefähr bei 1 mm. Mir wurde mehrfach gesagt, dass das Zahnfleisch höchstens minimal entzündet aussieht und die kleine Rezession eigentlich nicht schlimm sei und nichts weiter behandelt werden müsse.
Das Problem ist aber, dass die Schmerzen trotzdem definitiv da sind.
Ich empfinde sie sehr eindeutig als Schmerz im Zahnfleisch beziehungsweise im Gewebe und nicht im Zahn selbst. Es fühlt sich gereizt und ziehend an und teilweise auch ganz leicht taub beziehungsweise einfach anders als auf der linken Seite. Ich merke eindeutig einen qualitativen Unterschied zwischen rechts und links.
Interessanterweise habe ich nachts praktisch keine Beschwerden. Morgens beginnen sie relativ schnell wieder und kommen dann schubweise. Teilweise habe ich ein bis zwei Stunden kaum etwas, dann kommt wieder ein Schub. Wenn ich längere Zeit nichts esse, kann es ebenfalls besser sein. Nach dem Essen beziehungsweise wenn etwas an die Stelle kommt oder dort klebt, wird es tendenziell stärker.
Ich habe inzwischen wirklich sehr viel ausprobiert: eine sehr weiche Zahnbürste und eine deutlich veränderte Putztechnik, Curaprox, eine Monobüschelbürste, Zahnseide, Interdentalbürsten, Munddusche, CHX, verschiedene Mundspülungen und Kamistad. Nichts davon hat das Problem dauerhaft verändert.
Ich war mittlerweile bei fünf Zahnärzten, darunter auch in einer Zahnklinik. Es wurden zahlreiche Untersuchungen gemacht, unter anderem Vitalitäts- und Klopftests, Sondierung und insgesamt zwölf Röntgenbilder, sowohl Einzelaufnahmen als auch ein OPG. Auf den Röntgenbildern wurde keine Entzündung oder sonstige eindeutige Ursache gefunden. Auch die anderen Untersuchungen waren unauffällig.
Eine Woche lang habe ich auf ärztliche Empfehlung Ibuprofen genommen. Während dieser Zeit wurden die Beschwerden erstaunlicherweise deutlich besser beziehungsweise waren teilweise sogar komplett weg. Nachdem ich es abgesetzt hatte, kamen die Schmerzen allerdings relativ schnell wieder. Aufgrund von Magenschmerzen kann ich natürlich nicht dauerhaft Ibuprofen nehmen.
Was mich zusätzlich verunsichert: Seit einiger Zeit habe ich auf derselben Seite auch Probleme mit dem Masseter und dem Kiefergelenk. Der Masseter fühlt sich häufig stark verspannt und schmerzhaft an, das Kiefergelenk tut teilweise ebenfalls weh und knackt bei Protrusion. Außerdem habe ich rechts gelegentlich ein verändertes Empfindungsgefühl im Gesicht. Ich spüre zwar alles, aber die rechte Gesichtshälfte fühlt sich teilweise einfach anders an als links. Die Beschwerden betreffen überwiegend den Bereich des N. maxillaris.
Bei mir wurde außerdem festgestellt, dass ich tagsüber offenbar relativ häufig die Zähne zusammenpresse. Ich knirsche nicht bewusst, aber ich presse teilweise die Prämolaren aufeinander. Dazu habe ich deutliche Bissspuren an der Wangenschleimhaut. Die Beschwerden am Masseter und Kiefergelenk haben sich allerdings erst im Zusammenhang mit den anderen Problemen entwickelt.
Eine CMD-Schiene wurde als Möglichkeit angesprochen. Ich könnte mir das grundsätzlich vorstellen, bin aber unsicher, ob dadurch wirklich die Ursache meiner ursprünglichen Zahnfleischbeschwerden erklärt beziehungsweise behoben wird.
Ich habe außerdem noch ein zweites Problem, das zwar meiner Meinung nach unabhängig von den Zahnfleischbeschwerden ist, mich mittlerweile aber ebenfalls sehr belastet.
Letztes Jahr wurden bei mir mehrere Füllungen ausgetauscht beziehungsweise neu gemacht, unter anderem an allen Sechsern, an 25 und an 17. Es handelt sich teilweise um ziemlich tiefe, pulpennahe Kompositfüllungen. Seit diese Füllungen gemacht wurden, kann ich auf den betroffenen Zähnen teilweise überhaupt nicht mehr richtig zubeißen.
Sie sind temperaturempfindlich und vor allem punktueller Druck auf die Füllung tut teilweise richtig stark weh. Zum Beispiel kann ich keine Nüsse mehr kauen, weil der punktuelle Druck auf den gefüllten Bereich sehr schmerzhaft ist. Sachen wie Brötchen gehen dagegen einigermaßen, weil sich der Druck dabei mehr über den gesamten Zahn verteilt und der gesunde Teil des Zahns die Kaubelastung offenbar besser abfangen kann.
Das Problem besteht mittlerweile an sechs Zähnen, sodass ich eigentlich auf keiner Seite mehr wirklich normal kauen kann.
Die Füllungen wurden mehrfach eingeschliffen und der Biss wurde kontrolliert. Teilweise wurde so weit eingeschliffen, dass hinten gefühlt kaum noch Kontakt vorhanden ist beziehungsweise keine Frühkontakte mehr bestehen. Trotzdem hat das überhaupt nichts gebracht.
Auch bei diesen Zähnen wurden mehrfach Vitalitäts- und Klopftests gemacht. Die zwölf Röntgenbilder zeigen zwar, dass einige der Füllungen relativ tief sind, aber es ist nirgendwo eine Entzündung zu sehen. Mir wurde trotzdem mittlerweile vorgeschlagen, alle betroffenen Zähne, also die sechs Sechser, einen Fünfer und einen Siebner, wurzelzubehandeln, quasi in der Hoffnung, dass die Schmerzen danach verschwinden.
Das habe ich allerdings abgelehnt. Ich habe eine mittlerweile ziemlich ausgeprägte Zahnarztangst entwickelt und kann mir nicht vorstellen, einfach auf Verdacht mehrere Zähne wurzelbehandeln zu lassen, obwohl es dafür auf den Röntgenbildern und bei den bisherigen Untersuchungen eigentlich keine eindeutige Indikation gibt. Wenn mir tatsächlich nur noch die Möglichkeit bleibt, mit diesen Schmerzen zu leben oder die betroffenen Zähne zu entfernen, würde ich persönlich mittlerweile eher eine Extraktion in Betracht ziehen, als mehrere Zähne auf Verdacht wurzelbehandeln zu lassen.
Was mich mittlerweile zusätzlich belastet, ist, dass ich durch die lange Zeit und die vielen erfolglosen Zahnarztbesuche eine erhebliche Zahnarztangst entwickelt habe. Leider wurde mir zwischenzeitlich auch mehrfach gesagt, ich würde mir die Beschwerden quasi einbilden. Das war für mich besonders schlimm, weil die Schmerzen für mich definitiv real sind und meinen Alltag inzwischen erheblich einschränken.
Ich komme selbst aus dem medizinischen Bereich und versuche deshalb, die Beschwerden möglichst genau zu beobachten und zu beschreiben. Gleichzeitig habe ich natürlich keine Ahnung, ob ich vielleicht in eine völlig falsche Richtung denke.
Deshalb meine Frage an euch: Hat jemand schon einmal etwas Ähnliches erlebt – insbesondere chronische Schmerzen im Zahnfleisch bei äußerlich relativ unauffälligem Befund? Gibt es möglicherweise Ursachen oder Fachrichtungen, an die man bei solchen Beschwerden denken sollte und die bisher vielleicht nicht berücksichtigt wurden?
Ich möchte wirklich nicht einfach noch zehn weitere Dinge ausprobieren. Ich wünsche mir eigentlich nur, dass die Ursache meiner Beschwerden ernsthaft gefunden wird und ich irgendwann wieder schmerzfrei bin. Ich habe jetzt mit Anfang 20 einfach echt schon sehr viel durch, was das angeht, aber niemand möchte was machen und objektiv ist "alles gut" und nichts behandlungsbedürftig.
Danke fürs Lesen und für eure Hilfe!
Liebe Grüße
Joy

