Re: Emdogain
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erstellt:27.09.2010 - 11:01 Verfasst von 
Zahnarzt Dr. Püllen MMSc 63263 Neu-Isenburg
» e-Mail schreiben » Internetseite besuchen | Sehr geehrte Frau Alex, auch mit Emdogain kann man keinen Knochen um Zähne "herumstricken". Emdogain ist gut bei "steilen" Mehrwandknochentaschen/-kratern. Bei (stark) beweglichen Zähnen funktiniertes wegen dieser nicht gut, sodaß Aufwand und Ertrag in einem schlechten Verhältnis stehen. Ich würde den Lappen machen uns dann abwarten. Dr. Frank Püllen, MMSc, Neu-Isenburg |
Re: Emdogain
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erstellt:27.09.2010 - 19:06 Verfasst von 
Zahnarzt Dr. Dirlewanger MMSc 72202 Nagold
» e-Mail schreiben » Internetseite besuchen | Hallo Frau Kollegin, die Zähne 13,23+24 eignen sich gut für eine regenerative Therapie. Bei diesen Zähnen besteht bei einer Lockerung meistens auch ein vertikaler Einbruch. Mit dieser Thematik haben wir während und nach unserem Masterstudium in Parodontologie seit 3 Jahren eine Studie mit der Charite Berlin laufen. Ich bin der Operateur, die Uni die Datenverarbeiter, meine DH die skalierte Datenerfasserin. Unsere randomisierte klinische Studie vergleicht die Wirkung von Emdogain einerseits (Kontrolle) im Vergleich mit Emdogain und Eigenknochen (Test). Die Ergebnisse sind z.T. spektakulär.... wenn, die Mundhygiene aufrechterhalten bleibt wenn der Patient nicht oder wenig raucht und wenn -das ist in Ihrem Falle sehr wichtig- die Zähne fest oder geschient sind. Das dürfte in Ihrem Fall der schwierigste Aspekt sein. Derzeit schreibt ein Masterkollege seine Doktorarbeit über die Thematik, im Vorfeld sind schon 2 Masterthesen mit dem Studienablauf und ersten Ergebnissen beschäftigt gewesen. Wir werden die Daten nach 4 Jahren Verlaufskontrolle veröffentlichen; dann sind das für einen Praktiker verwendbare Erkenntnisse. Emdogain und Eigenknochen ist der Hammer, vor allem, wenn es um die ästhetische Zone geht. Die Rezessionen werden damit meist vermieden. Studiengrundlage sind derzeit 32 Patienten mit 78 vertikalen Knocheneinbrüchen. Diese Studie ist damit bislang weltweit die Größte. Mein Fazit: bei Patienten, die ihre Zähne erhalten, Geld investieren, aber nicht unbedingt Implantate wollen, sollte man keine Zähne mehr ziehen sondern regenerativ behandeln. Gruss Dirlewanger |
Re: Emdogain
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28.09.2010 - 17:37 Verfasst von Dr. Alex Brandenburg | Sehr geehrter Herr Dr. Dirlewanger,
vielen Dank für Ihre Antwort auf die "Masterfrage" zum Emdogain. Als Praktiker und Einzelkämpfer ist man für jede Rückkopplung eines Spezialisten als Hilfe dankbar, denn nicht alles aus der Theorie kann 1:1 in der Praxis umgesetzt werden.
Eine ergänzende Frage habe ich dennoch zu diesem Thema. Ich habe einen zu behandelnden vertikalen Defekt bei einer Patientin an 13, den ich heute vereinbart habe am Donnerstag mit Emdogain anzugehen. Über Eigenknochen wurde zunächst nichts geplant. Sollte ich dennoch über die spina nasale (?) etwas dazu gewinnen oder nur es bei Prefgel/Emdogain belassen?
Zur besseren Ruhigstellung des Zahnes habe ich mich entschlossen den Teleskopzahn in derselben Sitzung zu kürzen um das z.Z. etwas ungünstige Verhältnis Krone:Wurzel zu verbessern eventuell im Rahmen einer "vite".
Wie sind dabei Ihre Erfahrungen regenerativer Maßnahmen hinsichtlich der Vitalität?
Freundliche Grüße und nochmals danke! |
Re: Emdogain
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28.09.2010 - 20:22 Verfasst von Dr. Alex Brandenburg | Ich hatte noch vergessen zu fragen, ob generell abgeschirmt werden sollte. |
Re: Emdogain
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erstellt:30.09.2010 - 12:45 Verfasst von 
Zahnarzt Dr. Dirlewanger MMSc 72202 Nagold
» e-Mail schreiben » Internetseite besuchen | Hallo Frau Kollegin, tiefe und schmale vertikale Einbrüche lassen sich auch mit Emdogain allein behandeln (dreiwandige) . Sobald eine Weichteilunterstützung notwendig wird (um vor Kollaps zu schützen, z.B. breite oder 1-2 wandige Defekte), also ein Füller notwendig wird, kann partiell Bio Oss funktionieren. Seriöse Studien geben nur Bio-Oss (partiell) und Eigenknochen eine wirkliche, voraussagbare (meist) Chance auf Regeneration. Das Handling ist diffizil und sollte microchirurgisch ablaufen. Ich arbeite dabei unter dem Kopfmikroskop. Schnitt- und Nahttechniken orientieren sich an Cortellini und Wachtel. Die besten Resultate haben wir bei Verwendung von corticalem Eigenknochen aus dem Retromolarbereich seitlich hinter den 7ern im UK, entnommen mit dem Micross (über Curasan lieferbar) und direkt in den Defekt gebracht - Vorgehen wie bei Emdogain allein plus Einbringen der Späne in den Defekt. Will man wissenschaftlich glänzen wie manche "Cracks", so belastet man die Patienten mit systemischer Antibiose langzeitig (Cortellini mit Doxicyclin niederdosiert) und vermeidet den Versuch einer parodontalen Regeneration an oberen Molaren ( weil microchirurgisch schwierig). Da in meiner Praxis die oberen Molaren zuerst und häufig behandlungsbedürftig sind und eine systemische AB-Gabe unrealistisch ist, verzichten wir auch in der Studie auf Antibiose und behandeln alle Zähne, die es notwendig haben. Bei aggressiven Paro-Formen wird während der Initialtherapie abgedeckt. Emdogain selbst braucht keine ABsys. Ich versuche, mal Bilder hier einzustellen. Wenns klappt, zeige ich röntgenologische Veränderungen, die das Ziehen von Zähnen in Frage stellen und das Implantatvolumen einschränken sollte. Gruss Dirlewanger |
Re: Emdogain
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30.09.2010 - 21:11 Verfasst von Dr. Alex Brandenburg | Danke für den Diskussionsbeitrag, habe heute erfolgreich den Eingriff an 13 durchgeführt, der Defekt war tief aber nur auf distal begrenzt. Granulation entfernt, mit dem Knochenschaber etwas Eigenknochen gewonnen und dem vertikalen Defekt nach Emdogain hinzugefügt. 6 Monate nicht sondieren, ist klar - aber wie lange sollte man warten, den Zahn neu teleskopierend zu belasten? Zur Zeit habe ich die Friktion mit der alten Teleskopkrone auf Null gestellt. |
Re: Emdogain
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erstellt:09.10.2010 - 11:35 Verfasst von 
Zahnarzt Dr. Püllen MMSc 63263 Neu-Isenburg
» e-Mail schreiben » Internetseite besuchen | Sehr geehrte Frau Dr. Alex, 6 Monate nicht sondieren?? Entweder bildet sich (relativ rasch) ein Attachment irgendeiner Art (epithelial/BG oä.) oder nicht; Sondieren heißt ja "sondieren" und nicht "stochern", deswegen könne Sie schon wesentlich früher einmal schauen, ob und evtl. was sich getan hat. Auch mit einem ausgeschliffenen Teleskop wird der Zahn belastet, ob man das will, oder nicht. Machen Sie nach 3 Monaten ein Röntgenbild und checken, ob die Sondierungstiefen abegenommen/weg sind. Dann sehen Sie weiter. Dr. Frank Püllen, MMSc, Neu-Isenburg |
Re: Emdogain
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09.10.2010 - 14:47 Verfasst von Dr. Alex
| 6 Monate nicht sondieren ist die Herstellerempfehlung von Straumann! |
Re: Emdogain
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erstellt:10.10.2010 - 18:26 Verfasst von 
Zahnarzt Dr. Dirlewanger MMSc 72202 Nagold
» e-Mail schreiben » Internetseite besuchen | Frau Kollegin, die Herstellerangabe "6 Monate nicht Sondieren" ist eher aus Verkaufssicht gedacht. Eigentlich sollte man die ersten 6 Monate keinen höheren Druck mit einer Sonde als 15 pond ausüben. Das ist verdammt wenig und nur mit kalibrierten Sonden machbar, z.B. Florida-probe o.ä. Sicherheitshalber 8 Monate warten mit dem Sondieren, da der Widerstand gegen Sondenspitzendruck anfangs zu nieder ist und man zu tief misst. Wir haben nach Rücksprache bei Spezialisten den frühesten Messzeitpunkt auf 8 Monate festgelegt. Das ist wahrscheinlich richtig so, vor allem bei Unterstützung mit Eigenknochen. Der EK bringt wohl langfristig stabilere Ergebnisse, bringt in den ersten Monaten aber häufig eine verzögerte Wundheilung (bei besseren Weichteilverhältnissen später). Sobald ich Zeit habe, werden wir im Kollegenratgeber eine Möglichkeit einbauen, Röntgenbilder zu betrachten. Da zeigt sich dann, wie manche verloren geglaubte Zähne nach 3-4 Jahren aussehen, in vivo. Gruss Dirlewanger |