Sie sind im Forum: Allgemein
Allgemeine Fragen und Themen zur Zahnmedizin. Wir beantworten Ihnen hier Ihre Fragen.

Thema: die neue GOZ

Anzahl der Beiträge: 0

die neue GOZ

erstellt:27.11.2011 - 18:38
Verfasst von

Zahnarzt
Dr. Dirlewanger MMSc
72202 Nagold

» e-Mail schreiben
» Internetseite besuchen

liebe Kollegen, liebe Patienten,
als "alter Hase" habe ich mich mit der neuen Gebührenordnung grundsätzlich beschäftigt. Ich kenne jetzt in meinem 32 jährigen Berufsleben drei Gebührenordnungen: die von 1966,1988,2012 und habe mit allen (bei der neuen provisorisch) gearbeitet. 
Egal was man Ihnen oder Euch sagt: de facto sind die Preise für die Leistungen im Schnitt unverändert geblieben seit 1966  (also die Hälfte in Euro gegenüber den früheren DM-Beträgen von 1966 !!).
Wir bekommen keine "gnädige" Zulage von 6 % nach 23 Jahren, genauer nach 55 Jahren. Denn die Gebührenordnung 1988 wurde neutral umgeschrieben (man bekam nicht mehr, weil wir ja soviel rationalisieren und technisieren konnten, was damals noch halbwegs nachvollziehbar war) und jetzt sind die sogenannten Analogabrechnungen unberücksichtigt gelassen. In meiner Praxis wird das ein Minus von ca. 1-2% einbringen.
Jetzt will ich nicht für mich jammern - ich hatte auch sehr gute Zeiten. Den jungen Kollegen wird aber mit so einer schwachsinnigen Bewertung die Lust am Beruf genommen oder dem Pfusch Vorschub geleistet.
Eine schlecht honorierte Leistung trifft am Schluss nämlich den Patienten und das Vertrauen in den Arzt. Nach dem von uns geleisteten hipprokratischen Eid (oder der Genfer Erklärung) dürfen wir diese GOZ nicht hinnehmen.
Unsere Fachgesellschaften wurden bei der Ausdifferenzierung wohl nicht berücksichtigt (sind  ja für unsere "denkschwachen" Politiker nur Lobbyisten). Dafür haben andere Verbände nachts mitgemischt, so der Deutsche Putzfrauenverband, berücksichtigt man die Anhebungen beim Zähnepolieren. Oder die Zuwendungen der Fa. Sirona für die dentinadhäsiven Einzelkronen und Inlayversorgungen mit Aufwertungen von 40%, oder die Sponsorengelder der Ersatzmaterialien herstellenden Firmen oder zum Schluß der Einfluss des Bundesverbandes der Zahntechniker, die es geschafft haben, die teuersten und unnötigen Teleskopversorgungen nochmals um 20% anheben zu lassen.
Für diese Gebührenordnung schäme ich mich auch als ehemaliger Gesundheitspolitiker und als deutscher Zahnarzt. Schon damit, dass wir die Honorierung oberhalb des 2,3fachen Abrechnungssatzes einzeln begründen müssen, obwohl die Leistung mit 2,3 fach als mit durchschnittlichem Aufwand und mit durchschnittlicher Qualität explicit beschrieben wird, sollten wir eine Anwendung ablehnen.
Unsere Patienten leben nicht in der Dritten Welt, zahlen überdurchschnittliche Beiträge (4fache des Weltdurchschnittes) und haben zu Recht bei diesen Krankenversicherungsbeträgen eine überdurchschnittliche Qualität verdient.
Schämen wir uns, wenn wir durchschnittlich abrechnen und dadurch durchschnittlich leisten müssen !!
Gruß
Wolfgang Dirlewanger, entsetzt, daß unsere Standespolitiker in der Konsequenz nicht alle zurückgetreten sind.
einen Moment bitte.