
Thema / Frage: Parodontosebehandlung blanke Angst |
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Patientenfrage #3294Schisser aus Werl 26.02.2010 - 20:38 Uhr |
Vor meinem Zahnarzt habe ich immer große Angst. Es liegt weniger an ihm selbst, sondern mehr an seinem Beruf. Ich möchte jetzt eine Parodontosebehandlungen durchführen lassen. Darüber habe ich schon alle möglichen Horrorgeschichten gehört. Meine Frage ist, wie schmerzhaft kann eine Parodontosebehandlung sein? Und wie lange dauert sie?
Vielen Dank für eine beruhigende aber auch ehrliche Antwort. |
Masterantwort #3295![]() Zahnarzt Dr. Bucur M.Sc. 53797 Lohmar e-Mail: dr.bucur@gmx.de 26.02.2010 - 22:54 Uhr |
Hallo Schisser aus Werl (Anrede selbst gewählt),
ich persönlich finde die Formulierung "ich möchte eine Parodontosebehandlung durchfüren lassen" sehr lustig. Wurde bei Ihnen eine Parodontose diagnostitiert? Ich gehe davon aus, dass Sie nicht freiwillig auf die Idee kommen. Sie sollten viel mehr Angst davor haben eine notwendige Behandlung nicht durchführen zu lassen und die daraus resultierenden Folgen (Zahn-, Knochen- und Zahnfleischverlust durch langsame und schmerzhafte Lockerung). Je länger Sie warten, desto aufwändiger wird die Behandlung. Ist es schon klar welche Art und welcher Schweregrad die Parodontose bei Ihnen hat? Um die Frage nach der Dauer der Behandlung zu beantworten ist diese Information wichtig. Ohne diese Info können nur allgemeine Aussagen getroffen werden. Organisationsbedingt und nach praxisinternen Vorlieben können zwischen 4-8 Terminen auf Sie zukommen wenn keine chirurgischen Eingriffe notwendig sind. Da die konservative Parodontosebehandlung in der Regel unter lokaler Anästhesie durchgeführt wird, ist mit geringfügigen Beschweden zu rechnen. Die behandelten Zähne können nach der Behandlung geringfügig temperaturempfindlich sein. Also, kneifen Sie Arschbacken zusammen, nehmen Sie Ihre Eier in die Hand, überwinden Sie Ihre Angst und lassen Sie sich behandeln, wenn Ihre natürlichen Zähne eine langfristige Überlebensaussicht erhalten sollen. MfG, Bucur |
Masterantwort #3296![]() Zahnarzt Dr. Roos M.Sc. 73765 Neuhausen e-Mail: roos@roos-zahnarzt.de 27.02.2010 - 10:39 Uhr |
Hallo,
Angst vor dem Zahnarzt ist nichts weswegen man sich schämen muss. Dabei befinden Sie sich in guter Gesellschaft auch von Menschen, die im täglichen Leben sehr "tough" wirken. Wichtig ist es, den ersten Schritt zu tun und die Zahnprobleme konsequent in Angriff zu nehmen. Für Angstpatienten stehen neben der normalen zahnärztlichen Betäubung auch Verfahren wie Dämmerschlaf oder Narkose zur Verfügung. Dabei kann man unngenehme Prozeduren stressfrei ertragen. Parodontaltherapien gehören, wenn sie von erfahrenen Kollegen in Zusammenarbeit mit gut ausgebildeten Dentalhygienikerinnen gemacht werden, heute zu den Behandlungsverfahren, die wenig Schmerzen und Beeinträchtigungen bereiten. Fast alle Patienten sind sofort nach der Behandlung wieder voll einsatzfähig, Schmerzen treten äußerst selten auf. Der zeitliche Ablauf einer Parodontalbehandlung ist von Praxis zu Praxis verschieden. Wir bevorzugen heute den Weg der "full mouth disinfection", bei der die Reinigung aller Zahnfleischtaschen in einer Sitzung erfolgt, um eine Reinfektion zu vermeiden. Diese eine Sitzung ist je nach Aufwand zwischen 2 und 3 Stunden lang, anstrengend, aber schmerzfrei.Vor und nach dieser zentralen Behandlungssitzung werden eine fest definierte Zahl von Reinigungen der Zähne schmerzfrei und ohne Anästhesie durchgeführt. Bitte denken Sie immer daran. Eine Parodontaltherapie ist niemals, niemals, niemals in einer Behandlungssequenz abgeschlossen, sondern erfordert lebenslange regelmäßige und zuverlässige Nachkontrolle und Mundhygiene. Viel Erfolg wünscht Rainer Roos |
Masterantwort #3298![]() Zahnarzt Dr. Swaneburg M.Sc. 59494 Soest e-Mail: praxis@swaneburg.de 27.02.2010 - 21:02 Uhr |
Hallo lieber Patient,
nur Mut, den ersten Schritt sind Sie ja schon gegangen und der ist bekanntlich der Schwerste! Mit "Schiss inner Buchs" stehen Sie nicht alleine da! Die meisten Patienten schildern, so ist unsere Erfahrung als Spezialistenpraxis für Parodontologie, dass es nicht so aufregend war wie vorher befürchtet! Man kann alles betäuben. Sollten Ihre Ängste trotzdem zu groß sein ist dieses nichts, wofür man sich schämen bräuchte! Für so einen Fall kann man auch über eine sogenannte "Prämedikation" nachdenken, d. h. sie könnten, wenn Sie das möchten schon am Vortag vor Ihrem Termin Tabletten einnehmen, die die Ängste lösen. Durch diesen Trick gehen Sie entspannt und angstfrei in die Behandlung (und können auch am Vorabend besser einschlafen)! Das hat nur einen Nachteil: Verkehrstüchtig sind Sie so leider nicht (aber sonst trotzdem "bei klarem Verstand"). Sie müssten sich zur Praxis bringen und auch wieder abholen lassen. Das ist alles! Sprechen Sie Ihren Zahnarzt ruhig darauf an, vielleicht kennt er diese Methode. Übrigens: Verdrängen Sie ruhig die Horrorgeschichten aus dem Bekanntenkreis, viele Geschichten stammen von Therapiemethoden, die in den 80iger Jahren Stand der Dinge waren, damals wurde oftmals direkt operiert. Das ist heute aber nicht mehr das, was bei einer Parodontitistherapie im ersten Schritt gemacht wird! Die Therapie ist heutzutage eine "antiinfektiöse Therapie", d.h. ein "groß Reinemachen" der Zähne und der Zahnfleischtaschen! Nicht mehr! Einige Wochen später erfolgt eine Nachuntersuchung, bei der man schaut, in wie weit die Entzündungen durch diese Maßnahmen reduziert wurden und bespricht das weitere Vorgehen gegen diese chronische, lebenslange Erkrankung. Also, fassen Sie sich ein Herz, alles halb so wild! Viele Grüße aus Soest! Dr. Uwe Swaneburg, M.Sc. (Master of Science in Periodontology, DGP) |
Masterantwort #3306![]() Zahnarzt Dillenburger M.Sc. 67551 Worms e-Mail: drdillenburger@yahoo.de 01.03.2010 - 09:02 Uhr |
Hallo Lieber Patient,
zunächst einmal: Mit Ihrer Angst stehen Sie sicher nicht alleine da! Aber diese geschichten, die man immer wieder von Patienten VOR der Parodontitisbehandlung hört, gehören in Reich der Sagen und Märchen! Sie müssen keine Schmerzen erleiden und vor allem haben Ihre Zähne so überhaupt eine Chance erhalten zu werden!!! Und gerade das zählt doch, oder? Komischerweise werden am Stammtisch oder im Büro nie die "Horrorgeschichten" erzählt, wie es ist mit einer UNBEHANDELTEN Parodontitis zu leben: Wackelnde Zähne, fehlende Zähne,Schmerzen beim Kauen, Mundgeruch und seine Folgen...von der Belastung für den ganzen Organismus ganz zu schweigen! Also: Geben Sie sich einen Ruck, vertrauen Sie Ihrem Zahnarzt ruhig Ihre Ängste an, damit er sich besser um Sie kümmern kann (evtl. auch medikamentös!)und lassen Sie die Behandlung durchführen! Alles Gute! Mit freundlichen Grüßen aus Worms Markus Dillenburger |
Masterantwort #3309![]() Zahnarzt Dr. Scholz M.Sc. 29223 Celle e-Mail: zahnaerzte-am-allerwehr@t-online.de 01.03.2010 - 14:26 Uhr |
Hallo Schisser,
also auch von mir noch einmal die beruhigende Auskunft, dass eine Parodontitsbehandlung nicht so schlimm ist, wie die möglichen Folgen einer unterlassenen Behandlung! Also: lassen Sie es machen.....je eher, desto besser! Viel Erfolg aus Celle Dr. J. Scholz, M.Sc. Parodontologie |
Patientenergänzung #4580Angsthase aus Aachen 18.08.2010 - 20:48 Uhr |
Hilfe, bei mir ist auch eine Parodontosebahandlung ist notwendig. Mein Zahnarzt hat mir auch alles erklärt.
Was mich noch etwas beunruhigt, ist das "Kürzen des Zahnfleischs", anschließend Zahnfleischverband? Wie stark sind denn die Schmerzen danch? Wie ißt man und putzt die Zähne mit diesem Verband? |
Masterantwort #4586![]() Zahnarzt Dr. Püllen MMSc 63263 Neu-Isenburg e-Mail: frankpuellen@arcor.de 19.08.2010 - 08:33 Uhr |
Sehr geehrter Angsthase,
idR wird eine Parobehandlung primär ohne "Zahnfleischkürzung" durchgeführt, dh, nicht-operativ! Folglich benötigt es auch keinen Zahnfleischverband. Operative Behandlungsmaßnahmen kommen -wenn überhaupt- erst in späteren Schritten. Dr. Frank Püllen, MMSc, Neu-Isenburg |
Patientenergänzung #4616Bilu aus Kreis Recklinghausen 23.08.2010 - 00:02 Uhr |
Hallo,
ich verstehe als Mitpatientin diese Ängste Mitbetroffener sehr gut! Den Eingriff kann man nicht als angenehm bezeichnen! Natürlich ist er wichtig und muss durchgestanden werden. Aber wie oft bitte? Bin total geschockt, dass jeder Zahnarzt, der mein Röntgenbild sieht, beim mir als mittelgradige Paradontosepatienten, erneut eine systemische Reinigung bei der Krankenkasse beantragen will. Inzwischen habe ich diesen Eingriff dreimal bei verschiedenen Zahnärzten bzw. Paradontologen machen lassen! ( Weil ich oft umziehen musste, musste ich oft wechseln!) Beim letzten Eingriff hatte ich nach dem Eingriff ziemlich lange schlimme Zahnprobleme. So, dass ich mir geschworen habe, das war aber jetzt das letzte Mal. Auch diese Zahnärztin musste ich nun wechseln und stehe nun vor einer neuen Parodontologin, die auch Implantologin ist. Hier sollen sogar die betroffenen Backenzähne gezogen werden , die bisher noch niemand für extraktionswürdig befand. Uhh! Ich träume schon schlimm! Meine Frage: Wie oft muss man die systemische Reinigung denn überhaupt machen? Was ist bitte die Indikation zum Extrahieren von Zähnen bei Paradontosepatienten? Es ist so, dass die Paradontose bei mir lange nicht vom Zahnarzt erkannt wurde. 2001 habe ich meinen Zahnarzt geklagt, das ich so einen komischen mettalischen Mundgeschmack hätte und ab und zu Zahnfleischbluten sehe. Da hat der Zahnarzt vorsichtshalber ein Röntgenbild gemacht! Dort war dann schon an den Backenzähnen ein deutlich Knochenabbau zu sehen. Das Zahnfleisch war dabei ganz unauffällig! Wenn ich nichts vermeldet hätte, hätte er gar nichts bemerkt, sagte er entsetzt. Dieser Zahnarzt hat dann die erste systemische Reinigung bei mir durchgeführt, auf die Notwendigkeit der Prophylaxen hingewiesen und der guten Mundhygiene. Er hat mir viele wertvoll Tips gegeben, auch das Ölziehen nach Karach. Durch die sofortige Behandlung und regelmäßigen Prophylaxen hat sich am Knochenabbau im weiteren Verlauf der Jahre bis heute nicht weiter Schlimmes in neuen Röntgenbild entwickelt. Aber trotzdem! Jeder, der die Bilder - auch in Serie vorgezeigt anschaut, guckt schweigend und will trotzdem gleich wieder einen Antrag bei der Krankenkasse stellen. Entschuldigung! Mir kommt langsam der Verdacht, dass sie dies deswegen tun, weil es dafür sofort und genug Geld von der Krankenkasse gibt. Ich habe mich umgehört und erfahren, dass es eine besondere Art von Läser gibt, der durch Anfärbungen die Zahnwurzeln sehr schonend reinigen kann, danatomische Besonderheiten der Zähne erkennt, nicht so gewebeverletzend wirkt, wie die systemische Reinigung. Jeder Zahn kostet zwischen 30 bis 50 Euro und muss natürlich selbst bezahlt werden. Die Vorbehandlung läuft genauso wie bei der systemischen Reinigung. Aber auch hier entsteht die brennende Frage, wann ich so etwas denn machen lassen müsste! Was wären da die ausschlaggebende Zeichen! Ich führe sehr sorgfältig meine Mundreinigungen durch. Womit ich ausdrücken will, dass ich nach jedem Essen den Mund von Essensresten sauberspüle, mit passendeb Zwischenbürstchen arbeite und die Zähne dann auch kurz überbürste. Abends mache ich es ganz gründlich mit der Zahnbürste, da gehe ich dann auch mit passend kleinen Bürstchen - in die bekannten vorhandene tiefen Taschen, um den Biofilm zu zerstören und arbeite dann auch mit ungewachster Zahnseide. So hat es mir einmal eine sehr versierte Dentalhyginikerin empfohlen! Natürlich lasse ich zwei bis dreimal im Jahr die Prophylaxe durch führen bzw. Zahnstein entfernen. Ich habe auf diese Weise nur sehr selten mal ein leichtes Bluten in einer tiefen Tasche gefunden. Auf die Bürste nehme ich dann etwas 3% Wasserstoff u.reinige in der Tiefe damit! Schon ist es wieder gut. Es hatten sich zwischen durch auch mal Backenzähne gelockert, aber sie sind wieder fest bzw. fester geworden! Es gibt bei mir wohl schlimme Knirschattacken, wenn ich Sorgen bekomme! Wie Abriebe auf den Inlays zeigten, habe ich wohl auch jahrelang unerkannt geknirscht. Vielleicht ist der Knochenabbruch an den Backenzähnen auch dadurch zustande gekommen? Durch konsequente Tragen der Schiene festigten sich die Zähne. Sie wegzulassen bedeutet Lockerungen! Vielen Dank für die Mühen ihrer Antwort! Bilu |
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